19.08.2015 - 03:05

Wettenberg

Pyrolyse-Ofen zur Holzkohleherstellung für Schwarzerde

Wettenberg (sel). »Die Natur kennt keine Abfälle«, lautet die Erkenntnis all derer, die auf dem Gartengrundstück von Jannik Knapps Großvater am südlichen Ortsrand von Wißmar zusammengekommen waren, um bei der Vorstellung und Inbetriebnahme des ersten im Landkreis Gießen mietbaren Pyrolysekochers »Kon-Tiki« anwesend zu sein.

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Foto: Franz Ewert

Eingeladen hatte Gerhard Wiesmeier (Linden), Vorsitzender des Fördervereins »Lokale Aganda 21 für Stadt und Landkreis Gießen«.

Wiesmeiers und des Fördervereins Bestreben ist es, auch in der Zukunft die Herstellung und Vermarktung von »Schwarzerde« sicherzustellen. Denn die ZAUG GmbH leistet diesen Dienst nach einer inneren Umstrukturierungen nicht mehr. Sie vertrieb die »Schwarzerde« (portugisisch »Terra Preta«), ein nachhaltiges Produkt, dessen Herstellung im Rahmen eines Pilotprojektes auf der Erddeponie in Fernwald-Albach erfolgte.

Besonders regenerativ

Laut Wiesmeier sind derzeit Überlegungen im Gange, in welcher Weise und in welchen Strukturen Herstellung und Vermarktung des speziellen Substrats im heimischen Raum sichergestellt werden können. Im September noch würden sich Interessierte in einem Verein zusammenfinden und auch die Rechtsform einer Genossenschaft befinde sich »in Gründung«.

Schwarze Erde ist laut Wiesmeier eine ganz besondere regenerative Humuserde, die den großen Vorteil habe, dass sie von jedermann sogar selbst hergestellt werden könne. Und Schwarzerde sei keine neue Erfindung, sondern eine rein biologische Erde, die es schon 3000 Jahre lang gibt, die aber erst in den 1990er Jahren im Amazonasgebiet »wiederentdeckt« wurde. Der Boden besteht aus einer Mischung von Holz- und Pflanzenkohle, menschlichen Fäkalien, Dung und Kompost durchsetzt mit Tonscherben und gelegentlich auch Knochen sowie Fischgräten (Quelle: Wikipedia).

In Deutschland ist es Prof. Claudia Kammann, die am Forschungszentrum »Angewandte Biologie« der Hochschule Geisenheim im Rheingau mit der »Klimafolgenforschung an Spezialkulturen« beschäftigt und mit ihrer Grundlagenforschung zum Thema »Terra Preta« weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt ist.

Auch Kammann war bei der Präsentation in dem Wißmarer Garten dabei, ebenso Sitki Turhan, Inhaber der Firma »Terra Magica« mit Sitz im fränkischen Fürth, der dort »Schwarze Erde für den grünen Daumen« produziert und Besitzer der künftig mietbaren Pyrolyse-Kocher zur Herstellung von Holzkohle ist.

Gemeinsam mit dem Studenten Jannik Knapp von der Technischen Hochschule Mittelhessen war es Kurhan, der mit einem großen und einem kleineren Pyrolysekocher praktisch vorführte, wie die für die Herstellung des Humussubstrats Schwarzerde notwendige Pflanzenkohle hergestellt werden kann. Und zwar von jedermann.

Für Knapp geht es zusätzlich darum zu erforschen, inwieweit die aus Bio-Abfällen mittels Pyrolysekocher hergestellte Pflanzenkohle auch als Bestandteil von Baustoffen Verwendung finden kann – für einen Baustoff, der Kohlendioxid bindet und somit dem Klimaschutz dienlich ist. Die Masterarbeit des 25-jährigen Bauingenieur-Studenten aus Wißmar beschäftigt sich genau mit dieser Themenstellung.

Die »Terra Preta« ist eine fruchtbare, regenerative schwarze Erde und das Ergebnis rein natürlicher Prozesse. Das Humussubstrat komme ohne Torf und ohne Chemie aus. Terra Preta speichere Nährstoffe und Wasser, sei eine von der Mikrobiologie und von Regenwürmern bevorzugte Erde, ermögliche prächtiges Wachstum und Mehrfachernten, steigere die Erträge und saniere auch bereits über Jahre hinweg ausgelaugte, erodierte Böden. Für Gerd Wiesmeier ist sie ein »weltweiter Hoffnungsträger«.

Pflanzenkohle selbst herstellen

Mit Hilfe des Pyrolysekochers, den es in vielen Varianten von klein bis ganz groß zu mieten auch zu kaufen gibt, kann, so Wiesmeier und Kurhan, jeder Gärtner und jeder Landwirt die für die Schwarzerde-Produktion notwendige Pflanzenkohle aus eigenen holzigen Grünabfällen herstellen. Wie diese innovative Technik sachgemäß eingesetzt wird, das bekamen in Wißmar mehr als drei Dutzend interessierte Gästen erläutert und praktisch vorgeführt.

Für weitere Informationen über die schwarze Erde steht der Förderverein Lokale Agenda 21 für Stadt und Kreis Gießen mit seinem Vorsitzenden Gerd Wiesmeier unter der Telefonnummer 01 78/6 15 10 01 oder per E-Mail (gf.wiesmeier@t-online.de) zur Verfügung.